Erfahrungsbericht Verwaltungspraktikum bei der Stadt Koblenz

-von lunanoxmylove

Für mein zweites Pflichtpraktikum im Rahmen des Jura Studiums hatte ich die Chance den Beamten*innen bei der Verwaltung der Stadt Koblenz über die Schulter zu schauen.

Inhalt:

  • Verfahren/ Organisation
  • Stationen
  • Stadt Koblenz — Besonderheit Rechtsamt
  • Büro des OB und Stadtrats-Organisation
  • Stadtentwicklung und Bauordnung
  • Amt für Soziales Familie und Senioren
  • Ordnungsamt
  • Fazit

Verfahren / Organisation:

Zu Beginn meines Berichts möchte ich ein paar Worte zum Verfahren des Praktikums an sich bei der Stadtverwaltung verlieren. Nach einem kurzen vergleichsweise unbürokratischen Verfahren über folgenden Link:

https://www.koblenz.de/jobs-und-karriere/praktikum/

Bekommt man nach der Zusage noch einen kurzen Fragebogen zugeschickt und einen ersten Ablaufplan für sein Praktikum.

Häufig ist es auch so, dass man beim ersten Ablauf der Platzvergabe keinen Platz bekommt, jedoch ist es durchaus möglich, dass einige Plätze vor dem Praktikumszeitraum doch noch frei werden, weil einige Studenten noch abspringen. Von daher lohnt es sich, „Last Minute“ im entsprechenden Büro einfach mal nachzufragen.

Für den Praktikumszeitraum wird man je nach Amt in 2er oder 3er Teams eingeteilt, in denen man seine Station durchläuft. Aus irgendeinem, mir unbekannten Grund, war mein Praktikumspartner gar nicht zum Praktikum bei der Stadt erschienen und so konnte ich quasi in Einzelbehandlung die Stationen durchlaufen.

Stationen:

Bevor man startet bekommt man noch einen aktualisierten Plan des Ablaufs, da sich doch innerhalb eines so großen Amts durch regelmäßige Umstrukturierung die Zimmernummern der Bearbeiter*in ändert. Für mich begann der Durchlauf im Büro des Oberbürgermeisters und des Rechtsamts. Diese beiden Stationen lagen auch örtlich praktischerweise nah zusammen im Hauptgebäude des Rathauses. Dann ging es weiter zum Ordnungsamt der Stadt, welches sich etwas außerhalb im Stadtteil Rauental, befindet. Danach ging es weiter zum Bauamt, welches in der Nähe vom Bahnhof angesiedelt ist und zum Schluss ins Amt für Jugend, Familie, Senioren und Soziales welches in einem Hochhauskomplex am Schängelcenter sitzt.

Stadt Koblenz — Besonderheit Rechtsamt:

Da ich eigentlich in NRW studiere, gab es ein paar Kleinigkeiten, die in einer rheinland-pfälzischen Stadtverwaltung doch anders waren als erwartet.

Bislang war im Verwaltungsrecht das Widerspruchsverfahren zu kurz gekommen, da man sich in 95 Prozent aller Fälle schlicht auf dem § 110 JustG NRW ausruht, welcher das Vorverfahren für verwaltungsgerichtliche Klagen in denen in ihm normierten Fällen entbehrlich macht.

Rheinland-Pfalz hingegen und im Besonderen die Stadt Koblenz, geben dem Vorverfahren einen wesentlich höheren Stellenwert. Dies spiegelt sich ganz deutlich schon in der Tatsache wider, dass die Stadt Koblenz ein eigenes Rechtsamt hat, in dem einige festbeschäftigte Juristen für die Stadt die Wiedersprüche der Bürger innerhalb des Verwaltungsverfahrens verhandeln. Diese Juristen beschäftigen sich natürlich nicht ausschließlich mit den Widerspruchsverfahren.

Egal wo im Verwaltungsapparat der Stadt etwas Fragliches auftaucht, wenden sich die einzelnen Ämter an das hauseigene Rechtsamt, um den Sachverhalt klären zu lassen. Sei es eine datenschutzrechtliche Frage bezogen auf gefundene Datenträger oder Auswahlverfahren im Vergaberecht. Bei den Juristen untereinander wird in einem gewissen Turnus oder auf Wunsch das zugewiesene Rechtsgebiet geändert.

Für mich als Praktikanten gab es hier die ein oder andere interessante Akte vom „Kuriositäten Stapel“ – kein Witz jedes Amt hat sowas – nachfragen lohnt sich. Und als besonderes Highlight durfte ich, den für meinen Aufenthalt angesetzten Widerspruchsverfahren, beiwohnen. Die verfahrensführende Juristin hatte mir netterweise kleine Zusammenfassungen der Sachverhalte vorbereitet, damit ich dem Verfahren besser folgen konnte.

Vom Ablauf her eigentlich ähnlich wie ein gerichtliches Verfahren, wurden die Parteien in einem Sitzungssaal begrüßt. Nun durfte der Widerspruchsführer, je nach Sachlage, nochmals darlegen, worin er seinen Widerspruch begründet sieht. Ihm gegenüber wurde das Amt vertreten durch den Amtsleiter oder den betroffenen Bearbeiter*innen, welche sich nun mit dem Widerspruch des Bürgers auseinander setzen konnte. Das Verfahren wurde von einem Vertreter des Rechtsamtes geleitet, welcher durch zwei Fraktionsmitglieder des Stadtrates unterstützt wurde. Nach einer Besprechung unter Ausschluss der Parteien, wurde dann über die Begründetheit des Widerspruchs entschieden.

Auch der Einblick in das Büro des Oberbürgermeisters war sehr erkenntnisreich. Spannend fand ich die grundsätzliche Struktur und Organisation der Stadtratssitzungen. Es geht erstaunlich viel Zeit dafür drauf, die Sitzpläne so zu erstellen, dass sich keiner der Beteiligten über seinen Sitznachbarn ärgert.

Stadtentwicklung und Bauordnung:

Im Bauamt gab es vergleichsweise viele Abteilungen, weswegen ich häufig bloß für ein paar Stunden in die Abteilungen reinschauen konnte, um mir einen Überblick zu verschaffen. Von der Organisation sind im Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung auch die Abteilung für Verwaltung und Service verortet.

Besonders anschaulich waren die Ausflüge mit der Stadtentwicklung und die Fahrten mit den Vermessungstechnikern.

Amt für Soziales Familie und Senioren:

Hier war ich zum Teil bei der Organisation der Kinderbetreuung in den städtischen Tagesstätten und konnte mir die eine oder andere Akte ansehen, in denen es um solche Themen, wie die Ausbildung und Anerkennung von Tagesmüttern, Betreuungsschlüssel und Betreuung von Kindern die aus ihren Familien geholt werden mussten ging. Aus offensichtlichen Gründen werde ich hier inhaltlich nicht weiter darauf eingehen, aber auch solche Themen gehören zur täglichen Arbeit einer Stadtverwaltung.

Ordnungsamt:

Von der Organisation her konnte ich hier tatsächlich mal ein paar Tage bleiben und auch tatsächlich juristisch arbeiten. Sitzen konnte ich in der Abteilung für Gewerberecht und hatte die Möglichkeit den Beamten bei der Erstellung von Verwaltungsakten über die Schulter zu schauen und auch zuarbeiten war möglich. Nachdem man eine Akte und eine kleine Einführung bekam, konnte man gleich mit der Arbeit am Gesetz loslegen und recherchieren. Klar drehte es sich auch hier des Öfteren um die Zuverlässigkeit des Gewerbetreiben, so konnte man unter heraussuchen der entsprechenden Rechtsprechung dabei helfen die ein oder andere gewerberechtliche Erlaubnis wieder zu entziehen oder auf den dagegen schon erhobenen Widerspruch zu reagieren.

Fazit:

Mir hat das Praktikum unheimlich gut gefallen, weil es eben sehr vielseitig war und einem Einblicke in das weite Feld der Verwaltungstätigkeiten erlaubt. Wenn ihr noch Fragen zu einem Praktikum bei der Stadtverwaltung haben solltet, könnt ihr euch gerne an mich wenden. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Erfahrungsbericht einen Einblick in das Verwaltungspraktikum geben.

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