Aus dem Tagebuch einer Referendarin – Zwischen Wein, Robe und Verzweiflung

Bei mir begann das Referendariat mit der Zivilstation. Zunächst findet ein Einführungslehrgang statt, damit euch die Grundlagen beigebracht werden. Was sie damit meinen ist, dass ihr innerhalb von 2 bis 3 Wochen mit so viel neuen Infos zugeballert werdet, dass ihr denkt: „Okay, schön, das war ein nettes Experiment, ich würde jetzt gerne abgeholt werden“.

Jetzt heißt es für jeden: Ruhe bewahren. Ich kann aus Erfahrung und Austausch mit meinen Mit-Referendaren bestätigen: Es geht (nahezu) jedem so. Du bist nicht dumm. Du bist nicht langsam. Und du bist ganz sicher kein schlechter Jurist. Wir mussten da alle durch und wir alle dachten uns „Wo zur Hölle bin ich hier gelandet?“ (Und ja: die Antwort steckt in der Frage).

Du bist nicht der einzige, der Jobs als Diplomjurist googelt (zum Beispiel ich. Jeden zweiten Tag am Anfang. Und immer noch gelegentlich.). Und du bist garantiert nicht der einzige, der völlig überfordert die Unterlagen anstarrt und gar nicht weiß wo er anfangen soll. (Bitte merkt euch das. Ich saß zu Beginn echt da und dachte, ich wäre halt zu blöd für das Referendariat. Ich habe mich auch kaum getraut die restlichen Referendare zu fragen, ob sie auch so überfordert sind. Kann ja nicht sein, dass es allen so geht wie mir und keiner so Recht weiß wo er anfangen soll. DOCH.).

Mir persönlich hat es geholfen selbst Schemata zu erstellen, bei denen ich all diese fürchterlich vielen Infos auf die absoluten, essentiellen Basics herunter gebrochen habe.

So habe ich mir also zum Beispiel jede Unterrichtseinheit ein Schema erstellt und dies wie ein Urteil aufgebaut und mir notiert, wo ich in diesem die Besonderheiten dieses Themas ansprechen muss (zum Beispiel bei „Veräußerung der streitbefangenen Sache“ oder „Nebenintervention“ wo die Besonderheiten dieser Themen im Urteil relevant werden).

So viel zur Theorie. Kommen wir zur Praxis. Was heißt eigentlich Praxis in der Zivilstation? Also klar, ich bin beim Richter, aber was muss ich da machen?

_______________________________ Exkurs _________________

  1. Schriftliche Arbeiten
    Die Hauptarbeit besteht darin schriftliche Arbeiten zu verfassen und sie beim Ausbilder abzugeben. Das sollten hauptsächlich Urteilsentwürfe sein, können aber auch Gutachten oder Beschlussentwürfe sein.
    Was genau die Anforderungen sind, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Während manche Bundesländer sehr genau darlegen welche Arbeiten im Laufe der Station verfasst werden müssen (so Hessen mit zwei Gutachten, vier Urteilsentwürfen, zwei Beschlussentwürfen), legen andere nur eine Mindestanzahl fest (so Bayern mit der Einschränkung, dass zwei Arbeiten Urteile sein müssen) oder der Festlegung, dass es eine schriftliche Arbeit pro Arbeitswoche sein muss (so Baden Württemberg).
  • Teilnahme an Sitzungstagen
    Ihr müsst auch an einigen Sitzungen als Zuschauer teilnehmen, die euer Ausbilder leitet. Manche Bundesländer geben hier wieder eine Mindestanzahl vor (so Bayern mit 4 Sitzungstagen, oder Berlin mit 6-8 Sitzungstagen), während andere Bundesländer nur festlegen, dass an Sitzungen teilgenommen werden muss.
  • ggf. mündliche Vorträge
    Die meisten Bundesländer sehen in ihren Anforderungen Aktenvorträge vor (nicht so in Bayern [vermutlich hauptsächlich aus Protest, weil die anderen das so machen], NRW oder Bremen).
  • ggf. Sitzungsleitung (mit Beweisaufnahme)
    Einige Bundesländer sehen vor, dass der Referendar während der Station eine mündliche Verhandlung leitet und / oder eine Beweisaufnahme vornimmt. Zumindest aus Bayern weiß ich, dass dies – auch wenn es nicht in den Anforderungen steht – häufig für den Referendar möglich oder auch üblich ist. Dazu jedoch mal mehr in einem anderen Beitrag.
  • ggf. Protokollführung
    Ein paar wenige Bundesländer schlagen in den Anforderungen auch vor, dass der Referendar mit der Protokollführung beauftragt werden soll (so Schleswig Holstein und Sachsen Anhalt).


Es empfiehlt sich tatsächlich sich zu Beginn der Station anzusehen, was die Anforderungen sind, da ich aus meiner eigenen Erfahrung und der meiner Mit-Referendare sagen kann, dass die Ausbilder die Mindestanforderungen nicht immer auf der Kette haben.

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Doch egal wie genau ihr plant: Es wird nie alles so laufen, wie ihr euch es vorstellt. Ich sollte mir an meinem ersten Tag bei meinem Ausbilder nur wenige Seiten aus der Akte kopieren. Wie ich mir das vorstellte? Ich gehe entspannt aus dem Büro ins Kopierzimmer, komme mit wunderschönen Kopien nach kurzer Zeit zurück und habe zufällig auf dem Weg zurück noch einen Fall gelöst.

Wie es wirklich war: ich stand vor dem Kopierer und bettelte ihn möglichst leise an doch jetzt bitte zu funktionieren.

Unnötig zu erwähnen, dass er meiner Bitte nicht Folge leistete. Gut, wir alle hatten schon einmal Kämpfe mit einem Kopierer oder einem Drucker. Was das jedoch besonders schlimm gemacht hat, war, dass er einfach nicht mehr funktionieren wollte. Also ging ich zu meinem Richter und musste ihm beichten, dass der Kopierer nicht funktioniert. Hätte ich mich doch gleich vorgestellt „Hi, ich bin Ihre Referendarin und ich bin zu blöd zum Kopieren.“

Also begleitete der Richter mich zurück ins Kopierzimmer, um auf ein paar Knöpfe zu drücken, mich anzuschauen und zu sagen „Sie haben ihn wohl kaputt gemacht.“ (Glücklicherweise ging er schließlich doch wieder. Wenn nicht hätte ich vermutlich 5 Formulare ausfüllen können wie es dazu kam).

Dass ich nach diesem Tag was diesen Kopierer angeht ein Trauma davon getragen habe, muss ich wohl nicht erwähnen.

Allein, wenn mein Richter in den nächsten Monaten meinte, dass ich mir die Seiten aus der Akte kopieren soll, verfiel ich in eine Starre, wie Opossums, die sich tot stellen um vom Gegner nicht gefressen zu werden.

Warum erzähle ich das? Hauptsächlich weil die Chancen wahnsinnig hoch sind, dass euer erster Tag besser läuft und falls doch mal etwas schief laufen sollte, ihr euch dieses Szenario in den Kopf rufen könnt. Und ich bin auch noch dabei. Aber auch, weil solche Dinge einfach passieren und ihr euch davon nicht in Panik versetzen lassen sollt (ganz so wie ich. Ich war völlig ruhig und rational. Und völlig allein in diesem Raum, also gibt es niemanden, der das Gegenteil beweisen könnte.)

Dann kam der große Tag. Ich saß an meinem ersten Urteil zu einer Verhandlung, die ich gerade erst gesehen habe. Natürlich will man gerade als erste Arbeit keinen völligen Mist abgeben. Schließlich soll der Ausbilder denken „Oho, da habe ich ja den Jackpot gezogen! So ein Talent!“ und nicht „Ach Mann, warum bin ich immer der Verlierer im Referendar Lotto?“

Also wollte ich es ganz genau machen, immerhin habe ich schon gezeigt, dass meine Stärken nicht im Kopieren liegen. Wenn ich jetzt auch noch das Urteil vergeige, wird der auch denken, dass ich nur versehentlich in seinem Büro gelandet bin und mir dachte „Der sucht eine Referendarin? Klingt spannend, mach ich.“

So tippe ich selbstbewusst in das Dokument: Die Klage ist zulässig. Ein grandioser Anfang. 10 Punkte für Ravenclaw! Das Gericht ist zuständig nach… nach… ja, leider nach keiner mir bekannten Norm. Großartig. Gliederungspunkt 1 und schon hänge ich fest.

Nach verzweifeltem Blättern im Gesetz, einer Recherche wo der Firmensitz ist und einem Gin Tonic stand fest: Das Gericht war nach meiner Auffassung nicht zuständig. Hervorragend, das kann doch nicht sein, dann hätte der Richter doch einen Hinweis erteilt. Er ist schließlich der Richter! Was weiß ich schon?

Also habe ich das gemacht, was jede vernünftige Person in meiner Situation getan hätte. Ich fing an zu weinen. Dann habe ich mir einen Baileys eingeschenkt und es einfach durchgezogen.

Und das Ergebnis? Abgesehen von einer leeren Baileys-Flasche? Ein Anruf meines Richters wenige Tage nach der Abgabe mit der Aussage „Sie haben mich gerade davon überzeugt, dass ich eigentlich unzuständig bin“.

Also Leute, vertraut euren juristischen Fähigkeiten. Vielleicht sieht der Ausbilder es anders. Na und? Ihr wisst doch: Zwei Juristen, drei Meinungen. Und ihr seid ab diesem Moment Juristen, also steht zu eurer Meinung! Gut, möglichst nur dann, wenn sie dem Rechtsstaat entspricht. Die Schadenshöhe auszuwürfeln ist eine Meinung, jedoch keine, die ich empfehlen würde zu vertreten.

Das Wichtigste, was ich für mich gelernt habe, ist: so lange ich hinter meiner Arbeit stehe, hinter der Meinung, die ich vertreten habe, dann kann ich das guten Gewissens abgeben.

Es kommt auf die Argumentation an. Meine besten Arbeiten waren die, die nicht der Meinung meines Ausbilders entsprachen und die ich versuchte ihm argumentativ schmackhaft zu machen. Oder es waren einfach die, die ich unter Weineinfluss geschrieben habe, das lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Die Chancen, dass diese Arbeiten auch mit Wein geschrieben wurden, stehen jedoch generell hoch.

So lange ihr also eure Meinung mit juristischen Argumenten (am besten mit etwas Rechtsprechung gespickt) ausarbeitet, ist das super.

Ihr werdet auch mal Arbeiten abgeben, die Fehler enthalten (oder ihr seid juristische Wunderkinder, ich will euch ja nichts unterstellen). Und davon darf man sich nicht entmutigen lassen, denn wir sind da um zu lernen.

Welche Art von Akten ihr bearbeitet, hängt von eurem Ausbilder ab. Ich hatte da wirklich Glück mit meinem Ausbilder, er gab mir immer die Akten zu den Sachen, die er aktuell verhandelte. So ging ich erst die Akte durch, dann mit ihm in die Verhandlung und durfte anschließend das Urteil entwerfen. So konnte man den Richter auch wirklich unterstützen und das fühlt sich schon cool an, wenn im endgültigen Urteil deines Richters Ideen oder Blöcke deiner Ausarbeitung übernommen werden. Das ist schon der Teil am Ref, den ich wirklich liebe. Lasst euch aber nicht verunsichern, wenn euer Richter eure Ausarbeitungen nicht übernimmt. Manche Richter schreiben das Urteil trotz einer hervorragenden Ausarbeitung lieber vollkommen eigenständig, damit ihr Schreibstil durchkommt. Das ist eine reine Typ-Frage.

Aber ich kenne auch ein paar aus meiner AG, die keine aktuellen Akten von ihrem Ausbilder erhalten haben, sondern alte Übungsakten für Referendare. Aber das ist von Ausbilder zu Ausbilder unterschiedlich. Wobei es mir so vorkam, als wären es vermehrt aktuelle Akten.

Also: Lasst euch gerade vom Beginn der Zivilstation nicht einschüchtern. Glaubt an euch und eure juristische Fähigkeiten und nehmt wenigstens alles Positive aus der Praxis mit und nutzt die Zeit um festzustellen, ob das ein Beruf ist, den ihr euch vorstellen könnt. Und falls nicht: Bekommt bloß keine Panik. Es gibt so viele andere juristische Berufe und man kann auch nach dem Ausschlussprinzip vorgehen.

Also bleibt ruhig und habt auch Spaß. Und sorgt für einen guten Weinvorrat. Nur als Sicherheit.

Von Ina

Aus dem Tagebuch einer Referendarin – zwischen Wein, Robe und Verzweiflung

Es ist so weit: Zwischen mir und dem Referendariat steht nur noch eine Kleinigkeit: die Formulare. Es ist erstaunlich wie gut man sich nach dem Bestehen des Examens fühlen kann und wie unglaublich dumm, sobald man diese Formulare aufschlägt. Und das Beste ist: Sie kommen immer wieder. Sie sind wie die Hydra aus der griechischen Mythologie, der pro abgeschlagenem Kopf zwei neue nachwachsen. Wenn ihr ein Formular abschickt, kommen zwei neue nach. Es ist halt ein Muss, aber für mich sind die Formulare der nervigste Teil beim Referendariat (und das will was heißen). Beginn des Refs? Formulare. Eine neue Station steht an? Formulare. Nebenjob? Richtig. Formulare.

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Exkurs: Doch wie läuft das Referendariat eigentlich ab? Natürlich gibt es Abweichungen von Bundesland zu Bundesland (bzw. Freistaat), aber das Grundprinzip ist überall dasselbe: Es gibt verschiedene Stationen, die ich mal in der bayerischen Reihenfolge darstelle: 

  • 5 Monate Zivilstation beim Zivilrichter
  • 3 Monate Strafstation (je nach Zuteilung beim Strafrichter oder bei der Staatsanwaltschaft)
  • 4 Monate Verwaltung (also Stadt, Regierung, Landratsamt… Wobei man diese Station auch 2 Monate am Verwaltungsgericht ableisten kann)
  • 9 Monate Anwaltsstation (im Gegensatz zu den vorherigen Stationen erfolgt dies nicht durch Zuteilung, sondern da müsst ihr euch selbst drum kümmern. Um eins kommt ihr dennoch nicht herum. Richtig! Formulare.)
  • Schriftliches Examen (gegen Ende der Anwaltsstation)
  • Freie Station (hier kann man entweder nochmal zu Gericht oder zur Staatsanwaltschaft, in eine Kanzlei oder auch ins Unternehmen, die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig!)
  • Mündliche Prüfung

Während dieser ganzen Zeit habt ihr AG, also Arbeitsgemeinschaft, in der ihr vertieft das Prozessrecht beigebracht bekommt und in der ihr Klausuren schreibt (die jedoch nicht ins Examen zählen).

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Aber gut, wenn man die ersten Formulare überstanden hat, geht es endlich los. Das lang ersehnte Referendariat! Lang lebe die Praxis, hinfort mit dem Lernzeug! Das brauche ich nicht mehr, ich bin jetzt praktisch Harvey Specter! Halt in weiblich. Nun ja, leider ist es nicht ganz so. An alle, die dachten nach dem ersten Examen voller Begeisterung ihre Jura Sachen verbrennen zu können (ein zugegebenermaßen sehr verständlicher Wunsch): Haltet euch noch zwei Jahre zurück. Denn die ernüchternde Nachricht, die ich am ersten Tag bekam, war: der Schwerpunkt liegt immer noch auf dem materiellen Recht und das müsst ihr selbst wiederholen (wann genau man das am besten tun soll, da man ja zeitgleich genug neues lernt, sagt einem aber wieder mal keiner. Ich persönlich nehme an, man sollte Professor McGonagall nach einem Zeitumkehrer fragen, aber meine Eule kam noch nicht aus Hogwarts zurück um diese Theorie zu bestätigen).

Trotzdem ist ein unbestreitbares Highlight natürlich die Praxis. Manche Stationen wird man lieben, andere interessant finden und manche… nun ja, existieren halt einfach. Aber das sind die Momente, in denen man endlich sieht, wofür man das alles getan hat. Wofür man sich durch dieses Studium gequält hat. Das erste Mal eine Robe zu tragen, das erste Mal „Frau Staatsanwältin“ (oder eben „Herr Staatsanwalt“) genannt zu werden….

Natürlich überfordert einen einiges auch erst einmal, das ist völlig natürlich und davon darf man sich nicht einschüchtern lassen. Man wächst mit seinen Aufgaben. Hättet ihr vor ein paar Jahren gedacht die Zwischenprüfung zu bestehen? Die erste Probeklausur zum Examen?

So sitzt man jetzt mit Diktiergerät in einer Verhandlung und versucht einen Zeugen zu befragen ohne dabei versehentlich die komplette Aufnahme zu löschen oder würde in der Verhandlung als Sitzungsvertreter gerne auf die Frage, was denn die Staatsanwaltschaft dazu sagt am liebsten einfach antworten „Eine berechtigte Frage, sagen Sie mir gerne Bescheid wenn Sie es wissen“.

Die Hälfte der Zeit fühle ich mich wie ein Betrüger. Ich meine, was wusste ich schon? Fischwilderei? Noch nie gehört. Ein EU Führerschein wurde im Ausland erteilt, obwohl er eine Sperrfrist hatte? Was??

Doch ganz ruhig. Ihr habt nicht ohne Grund einen Beck online Zugang. Und wenn das auch nicht hilft: Fragen. Wir sind nun mal in der Ausbildung. Wenn wir alles schon sicher könnten und wüssten, müssten wir nicht mehr ausgebildet werden. Die Ausbilder helfen auch gerne weiter. Die waren auch schon mal in der Situation und immerhin habt ihr an diesem Punkt schon das erste Staatsexamen bestanden! Ihr habt also bereits bewiesen, dass ihr Jura könnt!

Doch all das hilft nicht, wenn man (vor allem das erste Mal) in Robe durch das Gerichtsgebäude irrt und am liebsten ausrufen lassen würde, dass man gerne aus dem Kinderparadies abgeholt werden würde.

Was hätte ich gerne vorher gewusst? Tatsächlich dachte ich, dass man mehr in der Praxis arbeiten würde und viel, viel weniger AG hätte. Ich meine, was soll man noch so viel lernen? Ha Ha Ha. Wie man nach 4 bis 5 Jahren Jurastudium noch so naiv sein kann, ist mir selbst ein Rätsel, aber gut, mein 6 Monate jüngeres Ich dachte das eben. Man arbeitet schon in der Praxis, aber man hat wahnsinnig viel AG und so viel neuen Stoff, der gelernt werden muss.

Und tatsächlich, dass es nochmal so anstrengend werden würde. Es werden noch einmal harte zwei Jahre. Auch die werdet ihr überstehen, ganz sicher, aber das muss einem bewusst sein. Wer davor nochmal Zeit braucht, sollte sie sich nehmen, denn der Körper und die Psyche werden noch einmal zwei Jahre auf die Probe gestellt.

Das Wichtigste ist einfach während dem Ref den Überblick zu behalten, da es keine regelmäßigen Termine mehr gibt. Die AG ist (zumindest bei mir) immer an anderen Tagen. Dein Ausbilder will dich auch immer mal wann anders sehen und deine Einteilung zu Sitzungen erfährst du meist erst eine Woche vorher. Für mich persönlich war daher Planung das Wichtigste. Nein, eigentlich war das Wein, aber das sei mal dahingestellt. Wann ist AG, wann muss welches Formular eingereicht werden, wann muss ich zu meinem Ausbilder, wann mein Urteil abgeben und dann sieht man mal wann Zeit bleibt die AG nachzubereiten und wann man das materielle Recht wiederholen kann.

Wichtig: Sucht euch Verbündete. Damit meine ich nicht, dass das Ref wie der Beginn des Studiums ist, ganz und gar nicht. Aber ihr werdet am Anfang völlig überfordert sein. Ihr werdet euch zwischenzeitlich mal dumm fühlen und ihr braucht jemanden, der gerade dasselbe durch macht und sagt „Ja, mir geht es ganz genauso“. Jemand, an dem ihr seht, dass nicht ihr das Problem seid (denn das seid ihr nicht!), sondern das Referendariat. Ein Einzelkämpfer zu sein, ist im Referendariat partout nicht zu empfehlen. Ihr braucht die Unterstützung. Sei es psychisch, oder Leute, die ihr anrufen könnt, wenn ihr an einem Urteil hängt und euch fragt, ob das überhaupt geht, was ihr da gerade macht.

Ihr werdet das Referendariat lieben, ihr werdet es hassen, ihr werdet euch großartig und im nächsten Moment irgendwie dumm fühlen. Aber, sind wir ehrlich, das ist nun mal Jura.

von Ina

Erfahrungsbericht Verwaltungspraktikum bei der Stadt Koblenz

-von lunanoxmylove

Für mein zweites Pflichtpraktikum im Rahmen des Jura Studiums hatte ich die Chance den Beamten*innen bei der Verwaltung der Stadt Koblenz über die Schulter zu schauen.

Inhalt:

  • Verfahren/ Organisation
  • Stationen
  • Stadt Koblenz — Besonderheit Rechtsamt
  • Büro des OB und Stadtrats-Organisation
  • Stadtentwicklung und Bauordnung
  • Amt für Soziales Familie und Senioren
  • Ordnungsamt
  • Fazit

Verfahren / Organisation:

Zu Beginn meines Berichts möchte ich ein paar Worte zum Verfahren des Praktikums an sich bei der Stadtverwaltung verlieren. Nach einem kurzen vergleichsweise unbürokratischen Verfahren über folgenden Link:

https://www.koblenz.de/jobs-und-karriere/praktikum/

Bekommt man nach der Zusage noch einen kurzen Fragebogen zugeschickt und einen ersten Ablaufplan für sein Praktikum.

Häufig ist es auch so, dass man beim ersten Ablauf der Platzvergabe keinen Platz bekommt, jedoch ist es durchaus möglich, dass einige Plätze vor dem Praktikumszeitraum doch noch frei werden, weil einige Studenten noch abspringen. Von daher lohnt es sich, „Last Minute“ im entsprechenden Büro einfach mal nachzufragen.

Für den Praktikumszeitraum wird man je nach Amt in 2er oder 3er Teams eingeteilt, in denen man seine Station durchläuft. Aus irgendeinem, mir unbekannten Grund, war mein Praktikumspartner gar nicht zum Praktikum bei der Stadt erschienen und so konnte ich quasi in Einzelbehandlung die Stationen durchlaufen.

Stationen:

Bevor man startet bekommt man noch einen aktualisierten Plan des Ablaufs, da sich doch innerhalb eines so großen Amts durch regelmäßige Umstrukturierung die Zimmernummern der Bearbeiter*in ändert. Für mich begann der Durchlauf im Büro des Oberbürgermeisters und des Rechtsamts. Diese beiden Stationen lagen auch örtlich praktischerweise nah zusammen im Hauptgebäude des Rathauses. Dann ging es weiter zum Ordnungsamt der Stadt, welches sich etwas außerhalb im Stadtteil Rauental, befindet. Danach ging es weiter zum Bauamt, welches in der Nähe vom Bahnhof angesiedelt ist und zum Schluss ins Amt für Jugend, Familie, Senioren und Soziales welches in einem Hochhauskomplex am Schängelcenter sitzt.

Stadt Koblenz — Besonderheit Rechtsamt:

Da ich eigentlich in NRW studiere, gab es ein paar Kleinigkeiten, die in einer rheinland-pfälzischen Stadtverwaltung doch anders waren als erwartet.

Bislang war im Verwaltungsrecht das Widerspruchsverfahren zu kurz gekommen, da man sich in 95 Prozent aller Fälle schlicht auf dem § 110 JustG NRW ausruht, welcher das Vorverfahren für verwaltungsgerichtliche Klagen in denen in ihm normierten Fällen entbehrlich macht.

Rheinland-Pfalz hingegen und im Besonderen die Stadt Koblenz, geben dem Vorverfahren einen wesentlich höheren Stellenwert. Dies spiegelt sich ganz deutlich schon in der Tatsache wider, dass die Stadt Koblenz ein eigenes Rechtsamt hat, in dem einige festbeschäftigte Juristen für die Stadt die Wiedersprüche der Bürger innerhalb des Verwaltungsverfahrens verhandeln. Diese Juristen beschäftigen sich natürlich nicht ausschließlich mit den Widerspruchsverfahren.

Egal wo im Verwaltungsapparat der Stadt etwas Fragliches auftaucht, wenden sich die einzelnen Ämter an das hauseigene Rechtsamt, um den Sachverhalt klären zu lassen. Sei es eine datenschutzrechtliche Frage bezogen auf gefundene Datenträger oder Auswahlverfahren im Vergaberecht. Bei den Juristen untereinander wird in einem gewissen Turnus oder auf Wunsch das zugewiesene Rechtsgebiet geändert.

Für mich als Praktikanten gab es hier die ein oder andere interessante Akte vom „Kuriositäten Stapel“ – kein Witz jedes Amt hat sowas – nachfragen lohnt sich. Und als besonderes Highlight durfte ich, den für meinen Aufenthalt angesetzten Widerspruchsverfahren, beiwohnen. Die verfahrensführende Juristin hatte mir netterweise kleine Zusammenfassungen der Sachverhalte vorbereitet, damit ich dem Verfahren besser folgen konnte.

Vom Ablauf her eigentlich ähnlich wie ein gerichtliches Verfahren, wurden die Parteien in einem Sitzungssaal begrüßt. Nun durfte der Widerspruchsführer, je nach Sachlage, nochmals darlegen, worin er seinen Widerspruch begründet sieht. Ihm gegenüber wurde das Amt vertreten durch den Amtsleiter oder den betroffenen Bearbeiter*innen, welche sich nun mit dem Widerspruch des Bürgers auseinander setzen konnte. Das Verfahren wurde von einem Vertreter des Rechtsamtes geleitet, welcher durch zwei Fraktionsmitglieder des Stadtrates unterstützt wurde. Nach einer Besprechung unter Ausschluss der Parteien, wurde dann über die Begründetheit des Widerspruchs entschieden.

Auch der Einblick in das Büro des Oberbürgermeisters war sehr erkenntnisreich. Spannend fand ich die grundsätzliche Struktur und Organisation der Stadtratssitzungen. Es geht erstaunlich viel Zeit dafür drauf, die Sitzpläne so zu erstellen, dass sich keiner der Beteiligten über seinen Sitznachbarn ärgert.

Stadtentwicklung und Bauordnung:

Im Bauamt gab es vergleichsweise viele Abteilungen, weswegen ich häufig bloß für ein paar Stunden in die Abteilungen reinschauen konnte, um mir einen Überblick zu verschaffen. Von der Organisation sind im Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung auch die Abteilung für Verwaltung und Service verortet.

Besonders anschaulich waren die Ausflüge mit der Stadtentwicklung und die Fahrten mit den Vermessungstechnikern.

Amt für Soziales Familie und Senioren:

Hier war ich zum Teil bei der Organisation der Kinderbetreuung in den städtischen Tagesstätten und konnte mir die eine oder andere Akte ansehen, in denen es um solche Themen, wie die Ausbildung und Anerkennung von Tagesmüttern, Betreuungsschlüssel und Betreuung von Kindern die aus ihren Familien geholt werden mussten ging. Aus offensichtlichen Gründen werde ich hier inhaltlich nicht weiter darauf eingehen, aber auch solche Themen gehören zur täglichen Arbeit einer Stadtverwaltung.

Ordnungsamt:

Von der Organisation her konnte ich hier tatsächlich mal ein paar Tage bleiben und auch tatsächlich juristisch arbeiten. Sitzen konnte ich in der Abteilung für Gewerberecht und hatte die Möglichkeit den Beamten bei der Erstellung von Verwaltungsakten über die Schulter zu schauen und auch zuarbeiten war möglich. Nachdem man eine Akte und eine kleine Einführung bekam, konnte man gleich mit der Arbeit am Gesetz loslegen und recherchieren. Klar drehte es sich auch hier des Öfteren um die Zuverlässigkeit des Gewerbetreiben, so konnte man unter heraussuchen der entsprechenden Rechtsprechung dabei helfen die ein oder andere gewerberechtliche Erlaubnis wieder zu entziehen oder auf den dagegen schon erhobenen Widerspruch zu reagieren.

Fazit:

Mir hat das Praktikum unheimlich gut gefallen, weil es eben sehr vielseitig war und einem Einblicke in das weite Feld der Verwaltungstätigkeiten erlaubt. Wenn ihr noch Fragen zu einem Praktikum bei der Stadtverwaltung haben solltet, könnt ihr euch gerne an mich wenden. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem Erfahrungsbericht einen Einblick in das Verwaltungspraktikum geben.

Die „perfekte“ Lernstrategie

Es ist Montag, du hattest dir gestern vorgenommen heute durchzustarten. Du hast lecker gefrühstückt, gehst ins Arbeitszimmer und siehst sofort den Berg an Unterlagen. Du denkst dir:“ Aaaaw!!! Es ist viel zu viel Stoff, das bekomme ich niemals alles gelernt, ohne die Hälfte wieder zu vergessen!“ Während du mit dem ersten Skript beginnst, bleibt das Gefühl aber bestehen. Beim Schlafen gehen denkst du dir nur, dass dein Pensum heute wieder zu wenig war.

Wenn du dieses Gefühl hast, fehlt dir eine Lernstrategie, die alle diese hinderlichen Gedanken sortiert. Aber wozu eine Lernstrategie? Und was ist das überhaupt genau?

Ich habe mich für euch durch das Internet gewühlt, um die „perfekte“ Lernstrategie zu finde. Dabei wurde mir das bestätigt, was ich vorher schon wusste. Es gibt keine „perfekte“ Lernstrategie. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was am besten passt und bla bla bla. Die üblichen Anworten eben. Während ich immer wieder diesen Satz gelesen habe, dachte ich mir, dass es doch sowas wie eine „Hülle“ geben muss. Ein Modell, womit jeder zurechtkommt, indem er dieses Modell mit seinem Lerntyp füllt. So ein Modell habe ich allerdings nicht gefunden. Also habe ich selbst eines erstellt und das präsentiere ich euch jetzt hier.

Zunächst müssen wir uns einmal überlegen, was denn überhaupt eine Lernstrategie ist. Wikipedia definiert eine Lernstrategie als Handlungsplan zur Steuerung des eigenen Lernens. Die Defintion ist natürlich sehr abstrakt. Eine Lernstrategie besteht vielmehr aus mehreren einzelnen Lernstrategien, die durch ihre Zusammensetzung zu einer ganzen Lernstrategie werden. Hierzu zählt die kognitive Lernstrategie, die sich auf den ganzen Lernvorgang bezieht, die metakognitive Lernstrategie, die sich mit der Planung im Vorfeld befasst und zu guter Letzt, die ressourcenbezogene Lernstrategie, die alles rund um dein Umfeld managet. Soweit zu der Definition. Das ist jetzt aber alles noch kein besonderes Wissen, das bekommt jeder zu lesen, sobald er anfängt, sich mit dem Thema Lernstrategien zu beschäftigen. Ich habe also versucht, alles in eine „Hülle“ zu gießen, damit jeder mithilfe dieser Lernstrategie erfolgreich lernen kann.

Die 5 Phasen Lernstrategie

Phase 0

Wir beginnen zunächst mit der Vorüberlegungsphase, der Phase 0. Hier kommt die ressourcenbezogene Lernstrategie zum Tragen. Wir erinnern uns, es geht also darum, sich ein schönes Umfeld zu schaffen. Dabei meine ich das Wort „schön“, im wahrsten Sinne des Wortes, denn nun musst du dir einen Arbeitsplatz suchen, an dem du bereit bist über eine sehr lange Zeit zu Lernen. Und zwar nur zu Lernen! Also versuche zu vermeiden (ich weiß das ist nicht immer möglich) den Wohnzimmertisch dafür zu benutzen. Dort ist die Gefahr zu groß, dass du dich ablenken lässt. Richte dir also ein Arbeitszimmer ein. Der Schreibtisch sollte natürlich groß genug sein. Gerne kannst du das Zimmer auch „schmücken“ (Blümchen etc.). Auch hier müssen wir natürlich die einzelnen Lerntypen berücksichtigen. Bist du also ein „Biblerner“, bist du logischweise eingeschränkt in Sachen „Blümchen“. Aber dennoch kannst du dir hier natürlich einen Stammplatz aussuchen, auf dem du morgens immer zu bestimmten Zeiten kommst und abends wieder gehst. Einen Alternativplatz solltest du natürlich noch im Hinterkopf haben, damit du nicht durchdrehst, wenn sich jemand deinen Platz geschnappt hat. Wenn du deinen Arbeitsplatz eingerichtet hast, solltest du dir überlegen, was dir ansonsten noch gut tut. Versorge dich zum Beispiel mit ausreichend Essen. Das Essen sollte natürlich ausgewogen sein, also gerne auch mal Obst oder Gemüse. Nicht dass du nach den 1 1/2 Jahren aus der Bib rollst. Auf knackiges Gemüse sollte in der Bib aber eher verzichtet werden. Deine Sitznachbarn danken es dir. Wenn das alles soweit stimmt und du dich an dem Ort wohl fühlst, kommen wir zu Phase 1.

Phase 1

Phase 1 ist die Phase, in der du alle Unterlagen zusammensuchst. Wir befinden uns also in der metakognitiven Phase, der Planungsphase. Du wirst wahrscheinlich zu einem Thema, nehmen wir als Beispiel mal das allseits beliebte Fach Baurecht, mehrere Skripte, Karteikarten und Bücher haben. Diese werden lokal sortiert, also zum Beipiel auf dem Boden in der Ecke gestapelt. Das machst du jetzt mit jedem Fach so und hast somit das gesamte Wissen komprimiert und sortiert in der Ecke liegen. Anschließend machst du dir eine Liste, auf der du deine gesammelten Materialien dokumentierst. So vergisst du später nichts und hast so auch nicht das Gefühl, irgendetwas in der Planung vergessen zu haben. Danach machst du mithilfe der Notizen einen Zeitplan für jedes Fach. Um wieder das Beispiel Baurecht aufzugreifen, nimmst du die einzelnen Teilbereiche Bauleitplanung, Baugenehmigungsverfahren, Drittschutz und Eingriffsbefugnisse der Verwaltung und verteilst sie, je nach Gewichtung, auf 14 Tage. So gehst du im Anschluss bei jedem Fach vor. Ich weiß, dass das sehr zeitintensiv ist, aber nur mit einem guten und detaillierten Zeitplan, lassen sich so Gedanken wie eingangs geschildert ausschließen. Steht der Plan also, gehen wir über in Phase 2.

Phase 2

Phase 2 ist die Phase, die am meisten Zeit kostet. Es beginnt die kognitive Phase, also die Phase, in der du das gesamte Wissen lernst. Es kommt jetzt darauf an, die bereitgelegten Unterlagen in ein Skript oder ein Stapel Karteikarten zusammenzufassen. Bildlich habe ich mir das immer als „Trichtermethode“ vorgestellt. Also die ganzen Skripte und Bücher, die du zu dem Thema hast, müssen am Ende ein komprimiertes Skript ergeben, mit dem du dann nur noch lernst. Mit sonst nichts mehr. Hierbei kommt es darauf an, dass du eine ordentliche Gliederung mit Überschriften und Untergliederungen hast. Du solltest nur Stichpunkte aufschreiben, denn in Phase 4 kommt es darauf an, sich selbst die Themen mit eigenen Worten zu erklären. Texte und Fälle auswendig zu lernen, haben dich vielleicht noch in der Zwischenprüfung weitergebracht. Doch im Examen kommt es auf Verständnis und Transferwissen an. Aber dazu mehr in Phase 4. Natürlich kommen in das Skript auch alle Definitonen. Es versteht sich von selbst, dass diese natürlich genauso abgeschrieben werden müssen, wie sie im Lehrbuch stehen. Die Meinungsstreitigkeiten müssen auch an den richtigen Stellen im Skript stehen. Die wechselseitigen Argumente sollten auch in Stichpunkten aufgenommen werden. Besonders hilfreich sind Eselsbrücken oder andere Visualisierungen (z.B. Mindmaps). Diese sogenannte Mnemotechnik ist wohl das effektivste Mittel um sich komplizierte Behördenstrukturen oder anderes zu merken.

Um nochmal das Beispiel von oben aufzugreifen solltest du für 6 Tage „Baugenehmingungsverfahren“, für die Phase 2, 50 % der Zeit einrechnen, also 3 Tage nur um das Baugenehmigungsverfahren zusammenzufassen. Wenn du nun die Zusammenfassung abgeschlossen hast, kommst du auch schon zu Phase 3.

Phase 3

In Phase 3 befinden wir uns weiterhin in der kognitiven Phase. Diese Phase dient der Entspannung und der angenehmen Aufnahme des Gelernten. Wer unmittelbar nach dem anstrengenden Zusammenfassen in die „brutale“ Auswendiglernphase reinspringt, wird sehr schnell die Lust am Thema verlieren. Diese Phase sollte aber nicht allzu lange dauern. In unserem Beispiel würde sie einen halben Tag in Anspruch nehmen. Hier geht es darum, das Zusammengefasste visuell angenehm zu gestalten. Wer gerne farbig unterstreicht, kann sich hier austoben. Allerdings sollten die Farben natürlich mit System gewählt werden. Ich benutze beispielsweise für alle Definitionen Rosa, für alle Probleme Gelb, für alle „Beachtebereiche“ Orange und für die normalen Stichpunkte Grün. Während Phase 3 könnt ihr auch gerne Musik hören, es geht vor allem darum, nochmal alles zu lesen und eine freundliche „Basis“ zwischen dir und dem Gerlernten zu schaffen. Sodann geht es weiter mit Phase 4.

Phase 4

Wir befinden uns auch in Phase 4 weiterhin in der kognitiven Phase. Und jetzt geht es ans Eingemachte. Hiervor haben wahrscheinlich die meisten Studenten Angst bzw. wissen einfach nicht wie sie den ganzen Stoff in den Kopf kriegen sollen. Was wir hier ausklammern, ist die rythmusgetaktete Wiederholung. Hierzu gibt es demnächst einen separaten Beitrag, in dem ich auch meinen Lernplan von den letzten 6 Monaten vor dem Examen veröffentliche. Es geht also darum, wie man am Besten auswendig lernt. Wir haben ja mit Phase 1-3 schon einen guten Grundbaustein gelegt. Wenn du bereits konzentriert, über drei Tage, zusammengefasst hast und den halben Tag nochmal alles in Ruhe gelesen und markiert hast, solltest du dir schon Einiges gemerkt haben. Und glaube mir, dein Kopf ist schon beim Zusammenfassen in der Lage sich sehr viel zu merken, wovon man während dem auswenig lernen selbst überrascht sein wird. Aber wie lernt man besten auswendig? Hierbei kommt es jetzt ganz besonders auf die verschiedenen Lerntypen an. Allerdings möchte ich euch ja eine Hülle bieten, mit der jeder klarkommen sollte.

  1. Schnappt euch das Skript und sucht euch einen Platz, an dem ihr Ruhe habt und der nicht euer Schreibtisch ist. Ihr solltet euch hier frei bewegen können.
  2. Nun nehmt ihr euch die ersten fünf Seiten des Skripts und lest sie laut vor und versucht die stichpunktartigen Probleme mit eigenen Worten zu erklären. Ihr benutzt somit mehrere Sinne, Hören und Sehen. Wenn das am Anfang nicht flüssig klappt, ist das total egal. Es kommt darauf an, sich Gedanken zu machen, wie man ein Problem erklärt, und so auch dem Korrektor in der Klausur verständlich darlegen kann.
  3. Dies wiederholt ihr mehrer Male.
  4. Dann nehmt ihr euch die gleichen fünf Seiten und lest nur noch die Überschriften oder Gliederungsüberpunkte. Den Rest versucht ihr auswendig aufzusagen. Das solltet ihr euch wieder laut selbst erklären. Wenn Ihr nicht mehr weiter wisst, schaut ihr wieder in das Skript und lest die Überschrift, ab der ihr es noch nicht auswendig könnt. Wichtig ist also, dass ihr häppchenweise vorgeht.
  5. Falls ihr mal eine Pause braucht und fast den gesamten Tag auswendig gelernt habt, könnt ihr gerne wieder für eine kurze Zeit zu Phase 3 zurückkehren.
  6. Diesen Vorgang wiederholt ihr so lange, bis ihr das ganze Skript könnt.

Es wird immer mal ein Problem geben, was man sich partout nicht merken kann. Falls das bei euch mal der Fall sein sollte, schreibt ihr das Problem auf einen Zettel und klebt es euch an den Badezimmerspiegel und immer wenn ihr Zähne putzt, lest ihr euch den Zettel durch. Irgendwann wird es sitzen. Phase 4 sollte 1 1/2 Tage in meinem Beispiel dauern. Danach kommt ihr zur letzten Phase 5.

Phase 5

Phase 5 ist die Abschlussphase des Themas. Hier geht es darum, Erfolgsgefühle zu feiern und das Wissen anzuwenden. Hier löst ihr jetzt nur noch Fälle. Wenn man in den Formulierungen und dem Gutachtenstil bereits gut genug ist, sollte man in Eigenarbeit keine ganzen Fälle mehr lösen (Übungsfälle in der Uni und dem Rep sollten natürlich weiterhin geschrieben werden). Widmet euch vielmehr eurem Aufbau und der Schwerpunktsetzung. Das heißt ihr fertigt nur noch 2 Stunden eine Lösungsskizze und markiert euch die Schwerpunkte. Die Meinungsstreitigkeiten löst hier hingegen im Kopf. So schafft ihr an einem Tag viel mehr Fälle und könnt euer Wissen praktisch anwenden.

Was ebenso zur Phase 5 gehört und nicht unterschätzt werden sollte, ist sich abfragen zu lassen. Denn erst dann muss man plötzlich das erklären, was man vorher nur sich selbst erklärt hat. Jetzt merkt ihr, ob ihr das Thema verstanden habt. Unter Druck, von am besten 1-3 Leuten abgefragt zu werden, ist eine Sache, bei der man sich erst überwinden muss. Aber es hilft. Wie ihr merkt, fließen also Phase 4 und 5 teilweise ineinander. Sie nehmen also etwas weniger als 50 % der Zeit in Anspruch.

Fazit

Was haben wir jetzt also gelernt? Es gibt sehr wohl eine Lernstrategie, die in ihrem Grundsatz auf jeden anwendbar ist. Natürlich muss man, je nachdem, was man für ein Lerntyp ist, die Schwerpunkte anders setzen. Beachten solltet ihr, dass die Phasen streng eingehalten werden müssen. Es macht wenig Sinn, Fälle zu lösen, wenn man noch nicht alles gelernt hat. Man wird dadurch nur unsicher und versucht sich selbst zu belügen, indem man im Skript die Probleme nachschaut und im Nachhinein sagt: „Ach das hätte ich auch gewusst und so auch irgendwie gelöst.“ So und jetzt seid ihr dran!

Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe es hilft euch weiter. Gerne könnt ihr mir über Instagram Fragen/Kritik/Anregungen schicken. Ich freue mich über jegliches Feedback!