Mein erster Examenstermin

Da ist er nun, der 15.08.2019, der Tag auf den ich so lange hingearbeitet habe. Ein halbes Jahr Eigenvorbereitung und dann anschließend das einjährige Repetitorium, hat es gebraucht, bis ich mich in den ersten Versuch gewagt habe. Bereits zwei Wochen vorher hat sich das enorme Pensum bemerkbar gemacht, indem mein Körper mir zeigte, dass er nicht mehr in der Lage war eine weitere auswendig gelernte Defintion aufzunehmen. In den letzten zwei Wochen widmete ich mich also nur der reinen Wiederholung. Ein bisschen freute ich mich auch auf die Woche, denn nun konnte man endlich mal sein gelerntes Wissen anwenden, vorausgesetzt, der Fall war einigermaßen machbar. Bei mir war das insbesondere im Zivilrecht nicht immer der Fall, da das Öffentliche Recht mein Lieblingsfach war. Strafrecht war immer irgendwie lösbar. Aber Zivilrecht konnte auch echt mal ordentlich in die Hose gehen. Dementsprechend habe ich das „Line-up“ für die Examenswochen auch eher mit gemischten Gefühlen gesehen. Die Reihenfolge war nämlich ZR I, ZR II, ZR III, ÖR I, ÖR II, StR. Man könnte hier natürlich auch mit dem Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ durchstarten. Allerdings war es mir wichtig, mit einem guten Gefühl in die Examenswoche zu gehen. Naja, letztendlich kann man wohl sagen, dass beides wahrscheinlich Vor-und Nachteile hat. Das Wichtigste ist, dass man sich nicht verrückt macht, wenn eine Klausur mal nicht so lief, denn ich kann aus Erfahrung sagen, dass diese Klausuren oft die besten werden!

Nun starten wir aber frisch in den 15.08.2019. Der 15.08.2019 war ein Donnerstag. Ich hatte bereits eine Woche davor angefangen mein Schlafrhytmus zu fixen, damit ich nun kein Problem hatte um 21 Uhr am Mittwochabend ins Bett zu gehen. Mein Wecker klingelte um 06.00 Uhr. Bereits im Halbschlaf merkte ich wie etwas Panik in mir aufstieg. „Nun war es soweit“. Diese Panik breitete sich aber ein Glück nicht weiter, aus, denn ich hatte mir eine Morgenroutine angelegt, die mir jetzt half, einfach das System abzuspulen, was ich auch an den „einfachen“ Lerntagen absolvierte. Diese bestand darin etwas Nahrhaftes zu frühstücken und ganz besonders wichtig, einen Kaffee zu trinken. Davor ging bei mir meistens nichts. Kurz überlegte ich auch nochmal einen schnellen Blick in mein Zivilrechtsskript zu werfen. Dies tat ich zum Glück nicht, denn wenn ich jetzt noch ein Problem gesehen hätte, was ich nicht perfekt runterrattern könnte, wäre das eher kontraproduktiv gewesen. Nach dem Frühstück überprüfte ich noch einmal die Liste mit Gesetzen, die zugelassen waren und die ich den Abend zuvor gepackt hatte. Danach konnte es losgehen. Ich fuhr mit dem Auto etwa 1 Stunde und 15 Minuten vor Beginn der Klausur los, auch wenn ich lediglich 15 Minuten zum Examensgebäude brauchte. Ich hatte zu viel Angst vor einem Stau. Wahrscheinlich hätten 45 Minuten früher losfahren auch vollkommen ausgereicht. Nebenbei bemerkt, bin ich die nächsten Tage auch immer dann erst losgefahren und es hat immer geklappt. Das Gebäude, in welchem wir nun die nächsten 9 Tage Examen schreiben sollten, lag bei uns mitten im Gewerbegebiet und war ein kitschiger Hochzeitssaal. Sehr passend, dass überall Rüschenschmuck und rote gemütliche Sessel standen. In der ersten Klausur saß ich genau neben der Bar des Hochzeitssaals und war nicht unversucht einen Schluck gegen die Nervösität nehmen.

Nun am Saal angekommen war ich einer der ersten und suchte nach Leuten die ich kannte. Allerdings wurde natürlich nicht über die anstehende Klausur geredet. Und bloß nicht über irgendwelche belanglosen Urteile, die irgendjemand aufgeschnappt hatte und angeblich heute ganz „safe“ drankamen. Um 08.45 Uhr wurden dann die Türen des Saals geöffnet und wir sind alle hineingestürmt, um unsere Namen mit den Platznummern auf dem Aushang zu lesen. Und da gab es den ersten Schock. Ich stand nicht darauf. Nach einigem panischen Suchen ist mir aufgefallen, dass es Saal A und Saal B gab. Und ich hatte ein Platz in Saal B und stand gerade in Saal A. So bin ich leicht aufgelöst einmal um das Gebäude gerannt und da war dann auch ein Schild mit Saal B. Alle waren schon drin und ich bin etwas fertig auf meinen Platz zugestolpert. Nachdem alle Gesetze auf dem Tisch lagen und alle Namen vorgelesen wurden, um die Anwesenheit zu überprüfen, durchsuchte ich meine Gesetze nochmal, um sicherzugehen, dass ich keine Karteikarte darin vergessen hatte. Das ist mir nämlich einmal in einer Übungsklausur passiert und da wurde ausgerechnet mein Gesetz kontrolliert. Ups. Allerdings hatte ich das zuhause natürlich auch schon etwa 30 Mal kontrolliert, deswegen waren sie natürlich „sauber“. Nun ging es also los. Der „Chef“ schnitt ganz feierlich das Klausurenpaket für ZR I am 15.08.2019 auf. Und heraus viel ein Zettel auf dem stand, dass heute vorher nochmal Stichproben gemacht werden. Das heißt es werden Platznummern gelost. Diejenigen, die an diesen Plätzen saßen, müssen aufstehen und werden mit einem Metalldetektor abgesucht, um sicherzugehen, dass keine Täuschungsmittel benutzt werden. Ausgerechnet am ersten Termin. Wer vorher nicht nervös wurde, wurde es spätestens jetzt. Denn dieses ganze Prozedere hat 15 Minuten gedauert. Danach war es überstanden und ich musste was ein Glück nicht aufstehen. Jetzt wurden die Aufgabentexte ausgeteilt. Nachdem der „Chef“ endlich alle Bedingungen nochmals laut verlesen hatte, konnten wir umdrehen. Es ging los.

Um den Fall kurz zusammenzufassen nur so viel. Es kam Schuldrecht AT und BT dran. Jemand hat einen Kühlschrank mit einer Software gekauft, die eigenhändig mithilfe eines Algorythmus den Bedarf berechnet und Lebensmittel automatisch nachbestellt. Im Schwerpunkt ging es darum, wer, wann und wie einen Vertrag über die Lebensmittel schließt. In Aufgabe 2 ging es wie erwartet um ZPO.

Als um 14 Uhr die Klausur zuende war, gaben alle ganz erschöpft die Klausur ab. Einige fingen unmittelbar danach an über die Klausur zu reden. Hieran sollte man sich nach Möglichkeit nicht beteiligen, weil es eigentlich immer nur verunsichert. Diejenigen die über die Klausuren reden wollen und jedem seine Meinung aufbinden wollen, sind meist diejenigen die selbst am unsichersten sind. Deshalb ging ich so schnell es ging zum Auto, um nach Hause zu fahren. Den restlichen Tag schaute ich nicht mehr in meine Unterlagen um zu lernen, sondern schrieb lieber den Examensreport. Und so ging ich wieder um 21 Uhr ins Bett um am nächsten Tag zur zweiten Klausur wieder um 06.30 Uhr aufzustehen.

So was kann ich euch hier jetzt als Tipps mit auf den Weg geben.

Checkliste:

  1. 1-2 Wochen vorher Schlafryhtmus fixen
  2. Macht euch nicht verrückt in welcher Reihenfolge ihr schreibt
  3. Genug Schlaf tanken
  4. Energiereiches Frühstück (Meine Empfehlung: Porridge mit Obst)
  5. Rucksack packen
    1. Mäppchen mit allen Stiften, die man persönlich so braucht
    2. zugelassene Gesetze
    3. Personalausweis
    4. Ladung
    5. Essen und trinken
    6. Oropax (Finde ich extrem wichtig, weil es „sehr“ laut um dich herum ein wird)
    7. Uhr (Falls es keine große Uhr an der Wand gibt)
    8. Cardigan/Pullover (Zwiebelsystem ist immer gut, denn ihr wisst nicht wie die Klimaanlage/Heizung eingestellt ist)
  6. Morgenroutine anlegen
  7. Früh genug losfahren
  8. Ein paar Tage vorher solltet ihr euch die Halle/Saal schonmal anschauen, das nimmt etwas die Nervösität
  9. Lest eure Ladung genau (Saaltrennung etc.)
  10. Versucht während den Tagen nicht mehr zu lernen!

Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe der Beitrag hat euch gefallen. Gerne könnte ihr auch noch hierrunter kommentieren, falls ich was vergessen hab oder ihr noch einen weiteren Tipp habt. Falls jemand zu dem Fall den Examensreport haben möchte, gerne einfach per Mail/Instagram/Twitter melden 🙂

P.S. Das Beitragsbild ist aus dem Urlaub direkt nach dem Examen. Da es mein erster Urlaub seit dem Lernbeginn war, hat es eine besondere Bedeutung für mich.